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20 Jahre Johannes-Schule

Johannes-schule

Die Aufgabe, benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine gleichwertige Schulbildung zukommen zu lassen, bestimmt die Arbeit der Lehrer an der Johannes-Schule. Unsere Schüler sollen sich nach ihrer Schulzeit gesellschaftlich integrieren.

Am 6.9.1987 begann die Schule mit zwei übergreifenden Klassen (1./2. und 3./4.) und 16 Schülern in Saarbrücken-Altenkessel. Gründungslehrer waren Frau Marina Lippke und Herr Jörg Merzenich. Heute, 20 Jahre später, hat die Schule 150 Kinder. Herr Merzenich hat in den 20 vergangenen Schuljahren 21 Klassen als Klassenlehrer betreut, Frau Lippke besucht uns, wenn sie die Möglichkeit hat zu Veranstaltungen. Sie feiert Anfang September ihren 90. Geburtstag und hat die Schule also mit 70 Jahren gründet.

Der Besucher wird als ersten Eindruck an der Neunkircher Straße in Friedrichsthal-Bildstock, am nördlichen Rand des Stadtverbandes Saarbrücken, ein großes blaues Gebäude entdecken. Einige abgewinkelte Fenster werden ihm die Gewissheit geben, dass es sich um die gesuchte Waldorfschule handelt. Je nach Tageszeit kann es möglich sein, dass alle Parkplätze in Schulnähe besetzt sind. Unsere Schüler werden teilweise von den Eltern über weite Strecken mit privaten PKWs zu uns gefahren. Viele Schüler kommen auch mit der Bahn, was die Selbständigkeit fördert.

Betritt der Besucher das Schulgebäude, ist er sofort in Kontakt: „Wer bist du“? wird irgendein Schüler fragen. Fremde Menschen sind zwar oft an der Schule aber sie wecken bei einigen Schülern gleich die Neugierde und werden sofort angesprochen. Sehr wahrscheinlich wird eine kleine Begleitmannschaft gebildet und der Besucher wird dahin gebracht, wo er hin wollte. Auf dem Weg wird er viele Farben, liebevoll gepflegte Pflanzen und – je nach Tageszeit – die Spuren der Kinder in Form von Sand und Schlick aus dem nahegelegenen Wald entdecken.

Vermutlich stehen viele Erwachsene in kleinen Gruppen im Flur und sprechen miteinander. Einer der Flure kann bei Schulschluss voll mit wild durcheinander laufenden Kindern sein. Wahrscheinlich kümmert sich einer der Lehrer gerade um ein Kind. Aber selbst wenn ein Schüler eine freche Bemerkung fallen lässt, wundert sich der Besucher über die freundliche und geduldige Antwort des Lehrers. Manch einer wird denken: „Bei uns wäre das früher so nicht durchgegangen.“

Die Atmosphäre in der Schule ist gekennzeichnet durch Nähe und Beziehung. Schülerarbeiten finden sich in Vitrinen. Einige Bilder der Schüler hängen in den Fluren. In den Klassen zeigen die Tafelbilder und die vielen Gegenstände, die zunächst nicht in einer Schule erwartet werden, welche Epoche gerade im Hauptunterricht unterrichtet wird.

Manch einer ist bei einer spontanen Führung durch die Schule beeindruckt von der Disziplin der Schüler und der daraus folgenden Dichte in den Unterrichten. Vielen Besuchern muss ganz ausdrücklich gesagt werden, dass es sich bei den Schülern wirklich um benachteiligte Schüler oder Schüler mit besonderem Förderbedarf handelt. Manch einer würde an dieser Stelle auch nicht glauben, dass diese Kinder und Jugendlichen so anstrengend sein können.

Oberstufenschüler sind im Speiseraum – konzentriert -mit Hausaufgeben beschäftigt zu finden. Wer hat die Unterstände gebaut? – Schüler? Den Zaun? Waren das Schüler?


Dieser Entwicklungsstand – nach 20 Jahren Arbeit erreicht – macht uns stolz. Auch wenn wir wissen, dass längst nicht alle Ziele erreicht sind.

In der Schulküche wird täglich für 60 - 80 Kinder gekocht. Das Mittagessen gehört natürlich zum Programm der Ganztagsschule, es unterstützt jedoch auch den teilweise sehr langen Schultag der Schüler der Oberstufenklassen.

Schmieden, Silberschmieden, Filzen, Spinnen, Weben, Nähen, Stricken, Häkeln, Sticken, Schustern, Stopfen, Zimmern, Schreinern, Werken, Malen, Zeichnen, Plastizieren, Formatieren, Tippen, Speichern, Senden, Tonen, Binden, Kochen, Backen, Bauen, Drucken, Falten, Verkaufen, Kehren, Falzen, Gehen, Heften, Gärtnern, Messen, Schneidern, Turnen, Tanzen, Sprechen, Singen, Musizieren, Experimentieren, Hobeln, Sägen, Hauen und natürlich Lesen, Rechnen und Schreiben bestimmen die Unterrichte. Oft sind die Tätigkeiten Fach- und Klassenübergreifend. Das soll die wichtige Tätigkeit, das Denken nachhaltig so fördern, dass in keinem Fall eine Einseitigkeit oder Tendenz festgeschrieben wird. Wiederholung und Sinnhaftigkeit der Tätigkeiten untermauern diese Intention.


Der Unterricht beginnt um 8:20 Uhr. Die ersten Kinder werden um 7:30 Uhr gebracht und die letzten um 17:00 Uhr abgeholt.

Möglich wird das durch die Freiwillige Ganztagsschule. Hier waren im letzten Schuljahr 37 Kinder angemeldet. Das Nachmittagsangebot reicht über das Mittagessen und die Hausaufgabenbetreuung hin zu Kursen und Projekten.

Die Schule wird zu einem großen Teil über staatliche Zuschüsse finanziert. Grob ist das Verhältnis so, dass die Eltern die Räume und Einrichtung über Elternbeiträge finanzieren.

Die staatlichen Zuschüsse fließen in die Gehälter (89 % der Gesamtkosten).

Die gesellschaftlichen Veränderungen gehen nicht spurlos an uns vorüber: Das Schlagwort „Früheinschulung“ zerrt an der Eingangsstufe. Die Schlagworte „Mediengesellschaft“ und „Gesellschaftlicher Wertewandel“ beschäftigen die Lehrer in der Unter- und Mittelstufe. Am Ende der Schulzeit kommen Schlagworte wie „Verwissenschaftlichung der Lehrberufe“ und „Berufliche Integration“ ins Spiel.

Das bedeutet für alle Lehrer an der Schule viel Arbeit. Sie sind aufgerufen, die inneren Werte –angeregt durch die Anthroposophie Rudolf Steiners – herauszulösen aus dem vermeindlich unveränderbaren Waldorfsystem in eine neue Waldorflandschaft.

Das Einschulungsalter ändert sich äußerlich. Kinder kommen früher in die „Schule“ – lernen aber dann nicht etwa Buchstaben und Zahlen, sondern sie werden auf den Unterricht vorbereitet, indem sie Spielen, kindliches, ernsthaftes Spielen, lernen.

Der Hauptunterricht wandelt sich. Sicher spielt der Rhythmus weiter eine große Rolle, allein das Geschehen wird zeitlich so verlaufen, dass die augenblickliche Befindlichkeit der Kinder stärker berücksichtigt wird. Gruppenarbeit ersetzt immer mehr den Frontalunterricht, Projekte ersetzen verstärkt die Epochen. Die ersten Befähigungen lauten nicht mehr nur Schreiben, Lesen und Rechnen sondern Schulfähigkeit – auch lange nach der eigentlichen Schulreife.

Im Oberstufenbereich verstärkt sich das Bemühen weiter, die handwerkliche – künstlerische Kompetenz der Schüler zu fördern. Hierzu gehört insbesondere das Angebot in den Fächern Eurythmie, Sprachgestaltung und Kunst. Handwerk wird auch zukünftig in einer Dienstleistungsgesellschaft eine große Rolle spielen. Lebenslanges Lernen kann auch aus unseren Schülern aktive Mitglieder der kommenden Gesellschaft werden lassen.

Auch die Anforderungen im Bereich Sozialkompetenz werden gesehen. Schulsozialarbeit richtet ihren Blick nicht nur auf akute Probleme. Sie weitet den Blick auf die Zeit nach der Schule, in der immer stärker Teamarbeit gefordert ist.

Ehemalige Schüler kommen häufig gerne wieder. Oft auch dann, wenn die Schulzeit schwierig war oder gar abgebrochen wurde.

Verlässt uns der Besucher, wird er vielleicht ein von Schülern leeres Schulgebäude erleben. Vielleicht schon wieder gereinigt, hergerichtet, vorbereitet für den nächsten Schultag.

Lehrern wird er mit großer Wahrscheinlichkeit auch lange nach Schulschluss noch begegnen – sie sind mit Neuaufnahmen, Elternabenden, Beratungsgesprächen und Konferenzen beschäftigt. Tafelbilder werden angefertigt oder die Handarbeiten der Schüler korrigiert, damit die Freude an der Arbeit in der nächsten Unterrichtseinheit nicht nachlässt.

Das Umfeld – Ministerium, Stadt, Banken, Lieferanten und Partnerschulen in Saarbrücken, Walhausen, Walsheim und Bexbach schätzt uns als zuverlässigen Partner. Anerkennung im Bund der Freien Waldorfschulen, dem DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtverband), der Arbeitsgemeinschaft der Heilpädagogischen Schulen und dem Verband für anthroposophische Heilpädagogik und Soziale Arbeit wird uns zuteil. Die Zusammenarbeit mit Jugendhilfeeinrichtungen, Kliniken, Therapeuten und Jugendämtern ergänzt die Kooperationsfelder.

Eine immer größer werdende Anforderung im Bereich Qualitätsentwicklung, enger werdende gesetzliche Regelungen und vielfältige Anforderungen in den Bereichen Arbeitssicherheit, Gleichbehandlung usw. fordert die Verwaltung zu konzentrierter und sorgfältiger Arbeit.

Der Besucher hat eine besondere Schule erlebt. Eine Schule, die weiß, dass die gesellschaftlichen Veränderungen zu neuen Wegen der Zusammenarbeit im Kollegium führen müssen, dass der zukünftige Rückgang der Schülerzahlen einer verstärkten Aufmerksamkeit bedarf.

Ein erfahrenes, stabiles und immer wieder bewegliches Kollegium wird diese Aufgaben für die inzwischen zur reifen Organisation gewordene Schule gemeinsam angehen. Neue Wege werden gefunden. Wir freuen uns, wenn Sie uns besuchen. Vielleicht suchen Sie eine Schule für ein Kind oder einen Jugendlichen in einer schwierigen Situation.

Reinhard Vieser
Geschäftsführer
April 2007

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25. November 2007
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