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Kinder ihren eigenen Weg finden lassen

Seit 30 Jahren besteht die Freie Waldorfschule in Bexbach. Am vergangenen Samstag fand der Festakt im Rahmen der Monatsfeier statt. Neben den offiziellen Grußworten und Reden präsentierten die Schüler dem Publikum im sehr gut besetzten Festsaal ein Programm mit viel Musik, Eurhythmie und Puppenspiel.

Bexbach. Die Monatsfeier beschließt an den Waldorfschulen traditionell den Epochenunterricht, in dem die Schüler über drei oder vier Wochen kontinuierlich und intensiv an einem Thema arbeiten. Gleichzeitig wird dabei der Monats- und Jahreszeitenwechsel bewusst gefeiert.

Und so stand auch die Monatsfeier der Freien Waldorfschule Bexbach am vergangenen Samstag im Zeichen des Herbstes, des Michaeli-Festes. Diesmal aber stand ein außergewöhnlich großes Programm an - schließlich war in die Feier auch der offizielle Festakt zum 30-jährigen Bestehen der Freien Waldorfschule Bexbach integriert (wir berichteten).

"Wer wollte nicht lieber der Musik zuhören, als hier sein Grußwort loszuwerden", sagte Dr. Theophil Gallo als Vertreter des Landkreises angesichts der Beiträge der Schüler. Das Unter- und Mittelstufenorchester beispielsweise spielte eine Suite "nach B&;la Bartók", was so viel hieß, dass die Kinder im Unterricht selbst Stücke im Stile Bartóks komponiert hatten.

Bewegtes Gedicht

Die Kinder der zweiten Klasse zeigten in einem szenischen Gedicht, wie selbst Sturm und Regen einem Haus nichts anhaben konnten, während die zehnte Klasse das Gedicht "Ja!" von Conrad Ferdinand Meyer eurhythmisch darstellte. "Die Eurhythmie ist ein Bewegungsfach an den Waldorfschulen, das gleichzeitig eine darstellende Kunst ist", erklärte Eurhythmielehrer Enzio Ziegler, der durch die Veranstaltung führte. Laute werden ebenso wie Töne und Rhythmen in einer jeweils festgelegten Bewegung ausgedrückt; das Ergebnis ist eine fließende, "sprechende" Bewegung, ähnlich dem Ausdruckstanz.

Die Besucher im sehr gut besetzten Festsaal klatschten begeistert für das Puppenspiel "Hans im Glück", das der Kinderchor Rundadinella und Schüler aus den Klassen sieben und acht unter der Leitung von Michael Bernhardt und Karin Leidinger aufführten. Schweizer Waldorflehrer hatten das Märchen der Gebrüder Grimm als Kantate für Kinderchor und Puppenspiel gefasst. Die Bexbacher Puppenspielgruppe samt Chor wird das Märchen auf Einladung der dortigen Waldorfschule auch in Zürich aufführen.

Wie lebendig und vielfältig das Leben an der Schule ist, belegten die Darbietungen aus dem Unterricht sicher eindrucksvoller als alle Reden. Ein Grund, an das Engagement der Menschen um Gründungslehrer Wilfried Günther zu erinnern, die vor 30 Jahren in Bexbach eine Waldorfschule wollten - "die erste westlich des Rheins", wie Stefan Leber vom Bund der Freien Waldorfschulen (Dachorganisation der insgesamt 192 Waldorfschulen in Deutschland) betonte.

Damit sei die Bexbacher Waldorfschule auch Impulsgeber gewesen für zahlreiche weitere Gründungen. Leber: "Die Waldorfschule schaut auf den Menschen, der sich entwickelt, hin, und will ihn zur Entfaltung bringen." Man wolle junge Menschen ihren eigenen Weg finden lassen, "in weltanschaulicher, staatsbürgerlicher, kultureller und sozialer Hinsicht", erklärte Klaus Sander, Lehrer an der Waldorfschule Bexbach. So revolutionär einiges in der Pädagogik damals klang, und für manchen heute noch klingt, "die Schulgemeinschaft hat sich auch trotz anfänglicher Diskussionen und Widerstände mit dem Ort Bexbach verbunden", betonte Bürgermeister Heinz Müller.

Als sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit war denn auch der anschließende Citylauf durch Bexbach zu werten.

Am heutigen Dienstag, 27. September, hält um 20 Uhr Dr. Albert Schmelzer im Festsaal der Freien Waldorfschule Bexbach den Vortrag "Erziehung ist Kunst - Perspektiven einer Schule der Zukunft". Der Referent möchte versuchen, pädagogische Ansätze einer Schule der Zukunft zu skizzieren.


VonSZ-Mitarbeiterin Jennifer Klein
Quelle: Saarbrücker Zeitung

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25. November 2007
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