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Die Harleys und ihr kleiner Bruder

Roadshow: Am Wochenende dreht sich in der Eissporthalle alles um Motorräder – Simeon Königs Peddigrohrbike ist dabei

Blubblubblubblub macht es schon von weitem. In der Gartenidylle an der Brandschneise mit den summenden Insekten ein derart ungewöhnliches Geräusch, dass die Hähne vorübergehend das Krähen einstellen. Blubblubblubb macht nur ein Motorrad, und das ist eine Harley-Davidson.
Das Blubbern verstummt. Zwei langhaarige, schwarz gekleidete wilde Männer mit dunklen Bärten und dunklen Sonnenbrillen betreten das Öko-Paradies der Familie König. Das ist die Welt von Simeon König. Er ist 14 und geht auf die Waldorfschule. Aber er hat mit Wolfgang Kabey (52) und Vincenzo Canniello (42), den Männern in den schwarzen Kutten, etwas gemeinsam: Alle drei stehen total auf Harleys.

Simeon findet das Easy-Rider-Motorrad aus den USA so klasse, dass er seine Jahresarbeit an der Schule dazu verwendet hat, eine V-Rod, das neueste Modell, aus Peddigrohr zu flechten. So dermaßen detailgetreu, dass man fünfmal hingucken kann und noch immer nicht alles gesehen hat.

Wolfgang Kabey und Vincenzo Canniello finden Harleys so klasse, dass sie erstens welche fahren und Mitglieder im Motorrad-Club „Black Souls“ (Schwarze Seelen) sind und zweitens mit fünf anderen Darmstädter Motorradclubs am Wochenende in der Eissporthalle an der Alsfelder Straße die erste Roadshow organisieren – eine Schau rund ums Motorrad. Wobei der Szene-Unkundige quasi nebenbei erfährt, dass es in Darmstadt sechs Motorradclubs gibt, wovon die „Black Souls“ kürzlich 35 Jahre ihres Bestehens gefeiert und etwa 45 Mitglieder haben, von denen einige im Ausland leben.

Weil Wolfgang Kabey und Vincenzo Canniello Simeons Harley, über die sie im ECHO gelesen hatten, auch einfach unglaublich finden, werden sie das Korb-Bike auf der Roadshow ausstellen. „Es freut uns, dass da ein Jugendlicher handwerkliches Interesse hat und nicht nur am Computer spielt“, sagt Kabey. „Des hat uns scho e bissje gefalle.“ Die Jugend sei eh besser als ihr Ruf, schiebt Canniello hinterher, und damit hat er sowieso recht.

Fürs Foto schleppt Simeon sein zwölf Kilogramm schweres Geflecht auf die Straße, die beiden großen Harleys flankieren die kleine, und dann kriegt Simeon nicht nur ein Club-T-Shirt, sondern auch noch eine Mitgliedsjacke, die man sich sonst langwierig erwerben muss. Zwar nur eine so genannte „Supporter“-Jacke, die vorne die Buchstaben MC (Motorrad-Club) und BS (Black Souls) trägt, und hinten leer ist. Vollmitglieder tragen hier eine weißbeflügelte schwarze Seele. Aber das ist auf jeden Fall besser als keine Jacke. Und Simeon probiert sie mit Stolz an.

Für das gute Peddigrohr-Stück muss in der Eissporthalle jetzt noch ein angemessener Platz gefunden werden. Beim anwesenden Harley-Händler wär’s am sinnvollsten, meint Wolfgang Kabey. Oder doch in die Vitrine am Eingang? Man wird sehen.

Übrigens sind die beiden schwarzen Seelen nicht nur stolz auf Simeons Nachwuchsleistung. Sondern auch ein bisschen darauf, dass für die Veranstaltung am Wochenende alle Darmstädter Clubs an einem Strang ziehen.

Normalerweise hört man ja immer von einander befehdenden Rockerbanden. „Aber unsere Zusammenarbeit läuft gut“, sagt Vincenzo Canniello, „und wir haben Spaß dabei.“ Und das seit einem dreiviertel Jahr, solange arbeiten sie nämlich ehrenamtlich an der Vorbereitung dieser Veranstaltung.

Die beiden besteigen ihre Maschinen und blubbern davon, und Simeon freut sich immer noch. „Die sehen schon so aus, wie ich mir das vorgestellt hab“, sagt er. „Normalerweise kommt man gar nicht an die ran.“ Dass sie nun sogar auf ihn zugekommen sind, findet er großartig. Seit vier Jahren flicht er, vom Segelschiffchen, einem Nikolausstiefel über Tierfiguren bis zu abstrakten Skulpturen. Die Harley war sein erstes technisches Motiv. Und gleich ein ziemlich anspruchsvolles. Ursprünglich wollte er für die Jahresarbeit ja ein Sofa flechten. Aber machen wir uns nichts vor: Motorräder sind einfach cooler.
Quelle: echo online

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25. November 2007
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