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Julian Michel arbeitet ein Jahr für Projekt in Nicaragua
Halsdorf. Der 19-jährige Julian Michel aus Halsdorf ist seit ein paar Tagen Mitarbeiter des Projektes „La Cuculmeca“ in Nicaragua. Die OP sprach mit ihm vorm Abflug nach Mittelamerika.
„Die Betreuung von Kindern wird meine Hauptaufgabe sein“, sagt Julian Michel. Der gebürtige Marburger lebt seit elf Jahren mit seinen Eltern in Halsdorf. Vor kurzem hat er die Reifeprüfung an der Waldorfschule in Marburg absolviert.
Anstelle eines Militär- oder Zivildienstes hat er sich dem so genannten „Anderen Dienst im Ausland“ (ADiA) verschrieben, der in Deutschland als Zivildienstersatz anerkannt ist. „Voraussetzung ist allerdings, man findet einen Träger, der beim Bundesamt für Zivildienst anerkannt ist“, betont Michel.
Sein Träger ist der Soziale Friedensdienst Kassel, der weltweit verschiedene Projekte betreut, die unter dem Gesichtspunkt der Förderung der Völkerverständigung das jeweilige nationale Bildungsniveau verbessern möchten und sich der ökologischen Erziehung widmen.
Michel hat sich für das Entwicklungsprojekt „La Cuculmeca“ in Nicaragua entschieden, das seit 1986 von einer Deutschen geführt wird und auf der Liste des Trägers stand. „Ich wollte ohnehin gerne nach Lateinamerika“, sagt der junge Mann.
In der etwa 60.000 Einwohner zählenden und ländlichen Stadt Jinotega befindet sich ein Ausbildungszentrum, an dem Erwachsene Schulabschlüsse anstreben können. Überdies gibt es dort eine Gruppe, in der die Kinder derjenigen Eltern betreut werden, die auf den Kaffeeplantagen arbeiten. Dort ist Julian Michel hauptsächlich eingesetzt. Er beziffert die Quote der Analphabeten in Nicaragua auf etwa 30 Prozent.
„Ich muss aber auch Englischunterricht in der Schule geben“, sagt Michel, der die Arbeit seines Vorgängers, mit dem er sich per E-Mail in den vergangenen Monaten ausgetauscht hatte, fortsetzen wird. Acht Arbeitsstunden pro Tag sind das übliche Pensum. Hinzu kommen Überstunden. „Man erwartet von mir ein gewisses Maß an Eigeninitiative.“
Seit vergangenem Donnerstag ist Michel bereits an seinem Einsatzort, den er nach zehnstündigem Flug und weiteren sieben Stunden Autofahrt über 100 Kilometer schlechte Straßen erreicht hat. „Ich bin gespannt, was auf mich zukommt“, sagt er kurz vor der Abreise. Leben wird er in einer einheimischen Familie. Sein Urlaubsanspruch beträgt 20 Tage. Eine Heimreise ist in dieser Zeit nicht drin.
Denn die Finanzierung des Jahres in Nicaragua ist ausschließlich seine Sache. Die etwa 4.500 Euro für Flug, Unterkunft, Verpflegung, Impfungen und Versicherungen hat Michel aus dem Kreise seiner Familie, von Verwandten, Freunden der Eltern und von Eltern seiner Schulkameraden bekommen. Für seine Arbeit wird er nicht bezahlt.
Auf seinen Einsatz, für den er sich unter Angabe seiner Motivation beworben hat, ist er in Deutschland während zwei Seminaren zu je fünf Tagen vorbereitet worden.
Die politische Situation in Nicaragua, das über etliche Jahre durch Bürgerkrieg geschüttelt war, hat sich laut Michel für mittelamerikanische Verhältnisse inzwischen normalisiert. Die Regierung wird seit zehn Jahren aus dem konservativen Lager gestellt.
Julian Michel wird einmal pro Monat exklusiv in der OP von seinen Erfahrungen in Nicaragua berichten.
Quelle: Osthessische Presse
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