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Der Ruf ist wesentlich besser als erwartet
Freie Waldorfschule Bexbach stellt die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen Imagestudie vor
Zurzeit erleben die Waldorfschulen einen regen Zulauf. Um ihr Ansehen zu überprüfen, hat die Freie Waldorfschule Bexbach eine Imageanalyse in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt auch den Eltern und Schülern vorgestellt wurden. Bexbach. Seit der Veröffentlichung der Pisa-Studie haben die Waldorfschulen Zulauf wie nie zuvor, auch die Bexbacher Waldorfschule macht da keine Ausnahme. Sind das alles nur verunsicherte Flüchtlinge vor einem als unzulänglich gebrandmarkten staatlichen Bildungssystem oder steckt dahinter vielleicht doch die gezielte Suche nach pädagogischen Alternativen? Schließlich arbeiten die Schulen in Schweden, die in der Pisa-Studie so hervorragend abgeschnitten haben, nach denselben pädagogischen Grundsätzen wie die Waldorfschulen: Sie vermitteln Lerninhalte ganzheitlich und an der Entwicklung des Kinder orientiert, stellen Persönlichkeit und Individualität der Kinder in den Mittelpunkt. Einerseits dieser unerwartete Zuspruch für die Waldorfschule, andererseits hält sich in Teilen der Bevölkerung noch immer das Klischee der "Waldis" als "Müsli-Esser" und leicht esoterisch angehauchte Latschenträger. Wie wird nun die Waldorfschule wirklich gesehen? Um das herauszufinden, hat die Freie Waldorfschule Bexbach eine Imageanalyse in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse vor Kurzem im Kollegium, am vergangenen Montagabend auch der interessierten Eltern- und Schülerschaft vorgestellt wurden.
Die Studie wurde von mehreren Diplomanden unter der Leitung von Professor Christine Arend-Fuchs (Lehrstuhl für internationales Marketing und Handel an der University of Applied Sciences, Kaiserslautern) in Zusammenarbeit mit Charlotte Fischer und Gerd Neukirch von der Waldorfschule Bexbach durchgeführt. Befragt wurde ein repräsentativer Querschnitt von Schülern, Lehrern und Eltern, wie sie "ihre" Waldorfschule sehen, aber auch externe "Meinungsführer", zum Beispiel Geschäftsführer großer Unternehmen, Bürgermeister und Schulleiter anderer Schulen. Der Rücklauf der Fragebögen war bei allen Gruppen sehr hoch (zwischen 30 und 69 Prozent), was auf ein hohes Interesse an der Fragestellung hindeutet.
Aus der Vielzahl der Einzelergebnisse lassen sich einige Haupttendenzen herauskristallisieren. Die Schule hat bei allen Gruppierungen ein klares Profil: Charakteristika wie individuelle Erziehung, die Förderung handwerklich-künstlerischer und musischer Fähigkeiten werden von allen Gruppen erkannt und als positiv bewertet. Bei den "Externen" ist das Image der Waldorfschule wesentlich besser als von Vertretern der Schule selbst gemeinhin angenommen. Vor allem die genannten Kriterien nehmen einen Spitzenplatz in der Bewertung ein, den Waldorfschülern werden aber auch hohe soziale Kompetenzen wie Verantwortungsgefühl, Selbstbewusstsein und Teamgeist zugesprochen - "Schlüsselqualifikationen, die heute bei der Jobsuche gefordert werden", so Christine Arend-Fuchs.
Die Schüler allerdings vermissen eine eingehendere Beschäftigung mit Naturwissenschaften, mit Technik und Neuen Medien. "Ob und wieweit es wünschenswert ist, in den angemahnten Bereichen etwas zu verändern, bleibt jeweils der Diskussion in der Schulgemeinschaft überlassen", so Christine Arend-Fuchs. Stichwort Schulgemeinschaft: Das und die unverwechselbare harmonische Atmosphäre an der Schule, die von Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft geprägt ist, die letztlich fußt auf der gemeinsamen Basis des Erziehungsmodells von Rudolf Steiner, wurde von allen als besonders positiv angesehen. Das äußere Erscheinungsbild, sowohl des Schulgebäudes, als auch in Form von Briefbögen, Veranstaltungskalender und ähnlichem, wurde durchweg als "erneuerungsbedürftig" beurteilt. Und da tut sich bereits etwas: Zum 30-jährigen Schuljubiläum im September werden die Schulgebäude neu lasiert, und die Schule wird nach außen hin mit einem neu gestalteten Logo auftreten. "Die Ergebnisse der Studie sollen jedenfalls auch intern Anstoß zum Nachdenken und zur Diskussion in manchen Bereichen sein", erklärte Elternvertreter Max Limbacher. jen
Hintergrund Der Name Waldorfschule stammt von der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart. Emil Molt, Inhaber von Waldorf-Astoria, ließ vor seinen Fabrik-Arbeitern allgemein bildende Vorträge halten. Einer der Vortragenden war Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, dem Molt seine Idee antrug, eine Schule für die Arbeiterkinder zu eröffnen. 1919 wurde die erste "Freie" (das heißt von Kirche und Staat unabhängige) Waldorf-Schule unter der Leitung von Rudolf Steiner in Stuttgart gegründet. Die Freie Waldorfschule Bexbach besteht seit 1975, zurzeit besuchen 416 Schülerinnen und Schüler die Schule. Das Einzugsgebiet reicht von Homburg, Pirmasens, Zweibrücken bis Saarbrücken, St. Ingbert, Neunkirchen, Ottweiler, Kusel. jen
Quelle: Saarbrücker Zeitung
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