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Der Robin Hood des Rheinlandes

An der Waldorfschule hatte man viel Spaß mit Carl Zuckmayers "Schinderhannes"

Waldorfschule droht Pleite (LN vom 18. September 2002)

"Mit ihrem pädagogischen Konzept bereichert die Waldorfschule das gesamte Lübecker Umland", erklärte Saxe gestern gemeinsam mit Schulsenator Ulrich Meyenborg (SPD). Daher habe die Stadt ein großes Interesse daran, dass das alternative Schulangebot bestehen bleibe. Allerdings: Eine finanzielle Hilfe sei angesichts der eigenen Haushaltskrise ausgeschlossen. "Die Finanzierung der Waldorfschule ist Landessache", stellte der Bürgermeister klar. Er appellierte an die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, "schnellstmöglich eine Vereinbarung zur Finanzierung" zu treffen.

Grund für die aktuelle Deckungslücke von 740 000 Euro sind 93 Waldorf-Schüler aus dem Nachbarland. Für diese freiwillig aufgenommenen Kinder erhält die private Bildungseinrichtung nämlich keine Zuschüsse - weder von Schleswig-Holstein noch von Mecklenburg-Vorpommern. Das schließt die so genannte Landeskinderklausel aus. Nach Angaben der Waldorfschule sei erst im kommenden Jahr mit einer endgültigen Entscheidung darüber zu rechnen. Die Eichholzer Waldorfschule hatte sich stets dagegen gewehrt, dass die innerdeutsche Grenze von der Kultusbürokratie quasi wieder aufgebaut werde. Drei Privatschulen klagen derzeit beim Bundesverfassungsgericht. "Wird die Klausel gekippt, erwarten wir Nachzahlungen vom Land", erklärte Geschäftsführer Klaus-Detlef Neumann.

Doch bis dahin gilt es, den finanziellen Engpass zu überbrücken. Ein Vorschlag vom Vorstand des Fördervereins, Bürgschaften zu geben, wurde auf der jüngsten Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit angenommen. Nach Auskunft Neumanns stimmten 345 der rund 400 anwesenden Eltern für das Finanzierungsmodell. Danach sollen Mitglieder bis Ende September durchschnittlich 2200 Euro zahlen - in Form einer Bürgschaft. Je nach den finanziellen Möglichkeiten könne der Beitrag über- oder unterschritten werden, heißt es.

Somit werden etwa 340 solcher Bürgschaften benötigt. "200 haben wir schon", erklärte der Geschäftsführer. Sogar ehemalige Schüler hätten angerufen und um Zusendung der Formulare gebeten. "Damit hat sich die Elternschaft klar zu unserer Schule bekannt", so Neumanns Bilanz.

Wegen des fehlenden Staatsvertrages zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hat auch die Stadt als örtlicher Schulträger mit Problemen zu kämpfen. Derzeit sind nach Angaben der Stadt 107 Kinder beziehungsweise Jugendliche aus dem Nachbarland in Lübecker Schulen gemeldet. Dabei handele es sich um Kinder, die zwar im Stadtgebiet eingeschult wurden, inzwischen aber nach Mecklenburg verzogen seien. Die Kosten trägt auch in solchen Fällen Lübeck. Insgesamt gibt die Stadt im Jahr rund 40 Millionen Euro für Schulen und Kindergärten aus.

Besondere Schwierigkeiten bereiten der Hansestadt jedoch so genannte Scheinanmeldungen. Dabei würden Kinder aus Mecklenburg über eine Lübecker Wohnanschrift - beispielsweise die der Großeltern - einfach in lübsche Schulen und Kindertagesstätten geschickt. "Es ist sozial ungerecht, wenn Eltern hier sozusagen als Trittbrettfahrer ihre Kinder auf Kosten Lübecker Familien unterbringen", sagte Saxe. Die finanzielle Hauptlast müsse von den Bürgern und der Stadt getragen werden. Saxe kündigte für die Zukunft "verstärkte Kontrollen" an.



ln-online/lokales vom 19.09.2002 08:04
Quelle: Main-Rheiner

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